Hafen ALC

"Kommst du mit uns?"

"Ja."

     Man sagt, ich habe spontan geantwortet. Ich war lediglich zwei Jahre alt.
Die mich das gefragt hatten waren Karmelitterinnen, die täglich vor meinem Zuhause vorübergingen, auf dem Weg zu ihrer Schule.

     Ich verwandelte mich so in ihre jüngste Schülerin. Zwar kann ich mich noch daran erinnern, dass mir die Schwestern Buntstifte und Papier gaben, doch ist aus meiner Erinnerung verschwunden, was ich zu Papier brachte. Was allerdings nicht verschwunden ist, ist die Lust zu zeichnen. Ich habe sie sogar zu meinem Beruf gemacht. Vor allem für Zeichnungen von Handtaschen zur eigenen Produktion in meinem kleinen Betrieb. In ihm schafften wir es, meine Designs zum Beispiel an die Marke "Lois" zu verkaufen, wie auch sogar an "Gloria Vanderbilt". Aber auch anderes zeichnete ich. In dem Abschnitt über mein Industriedesign kann man sich einen Überblick verschaffen.

      Jahre ist das her und heute hat sich das Industriedesign in eine Kunst anderer Art verkehrt. Ich habe eine gewisse Abstraktion erreicht. Wer meine Zeichnungen betrachtet, ist vielleicht fähig zu sehen, was sich hinter den Farben und Kompositionen verbirgt. Wenn nicht, kann ihm möglicherweise der Abschnitt "Parameter" einen Schlüssel zu Annäherung und Verständnis an die Hand geben. Kurz bevor Schwester Joaquina Vasera uns am zwölften Februar 1999 so traurig verliess, hatte ich noch einmal die Möglichkeit mit ihr zu reden. Ich wollte wissen, wie sie mich damals, vor so vielen Jahren, gesehen hatte, welche ihre Meinung über mich, der kleinen Eva Maria war, denn immerhin war sie so etwas wie eine Mutter für mich gewesen.

     Sie sagte mir das Folgende:

Du warst intelligent.
Wolltest nicht lernen.
Mit allen hast du dich gut vertragen.
Du warst artiger, als die übrigen.
Du warst ein gutes Kind, offen, hübsch und fröhlich.
Hattest gern Freunde, auch spieltest du gern.
Du warst niedlich und gut.

Hütte

     Wir alle haben unsere Epoche. Einige von uns hinterlassen ein Legat für die, die nach uns kommen.

     Schon die alten Ägypter glaubten, auf das ewige Glück einer Person Einfluss nehmen zu können, indem sie ihren Namen tilgten, wo immer er auch eingemeisselt oder aufgemalt war. Wenn der Name verschwindet, dann verschwindet mit ihm die Person und ihr ewiges Leben.

     Die Bücher und die Kunst sind ideale Medien, um die Gedanken einer Person überdauern zu lassen, wesentlich weiter als ihr zeitlich so begrenztes Leben. Es handelt sich um zwei sehr ähnliche Methoden um auszudrücken, was der Geist enthüllt hat. Ich habe auf beiden Gebieten gearbeitet. Die spezifischen Regeln zur Realisierung mögen unterschiedlich sein auf ihnen, der Impuls jedoch, den der Verstand gegeben hat, hat ohne Zweifel die gleichen Wurzeln. Mit Vergnügen stelle ich mein Werk zur Verfügung. Zu seiner Verbreitung benutze ich die Medien meiner Epoche.

     Einige sind elektronisch, andere klassisch, wie die Büchereien der Universitäten, wo meine Poesie aufbewahrt wird. Ich wünsche mir, dass Generationen, weit in der Zukunft, es kennenlernten, sich daran erfreuten und es verständen.

     Ich hoffe, sie werden meinen Namen nennen, auf diese Weise werde ich leben.


     Geschehe was geschehen mag, auch an dem stürmischsten aller Tage,
vergehen die Stunden und die Zeit.

     Shakespeare


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